„Darf’s ein bisschen mehr sein!?“ oder: Soo teuer muss Technik!

Wie heute auf Heise Online kurz vermerkt, gehen einige Anwälte von Intel und Apple davon aus, das bei einem Smartphone für einen Preis von 400 US-Dollar etwa 120 US-Dollar für Lizenzen patentgeschützter Techniken fällig werden. Die Kosten werden natürlich an den Kunden weitergegeben – muss ja irgendwie kostendeckend sein, so ein Verkaufspreis. Die bloße Hardware kostet übrigens genau so viel (120 US-Dollar).

Wenn man sich das mal überlegt, kostet also das bloße Ding an sich genau so viel, wie man anschließend dafür bezahlen muss, dass bestimmte Techniken eingebaut und benutzbar sind. Da geht es dann um die Technik für LTE oder anderer Übertragungsarten, aber auch um Softwarepatente. Und genau hier möchte ich meinen Gedankensenf dazugeben.

Was kann so ein Smartphone heute so alles? Telefonieren, joa…aber man will ja auch ins Internet, Musik hören, Fotos machen, Videos aufnehmen. Genau hier haben wir es mit vielen Softwarepatenten zu tun:

  • MP3 ist „[…] ist ein Verfahren zur verlustbehafteten Kompression digital gespeicherter Audiodaten. MP3 bedient sich dabei der Psychoakustik mit dem Ziel, nur für den Menschen wahrnehmbare Signalanteile zu speichern. Dadurch wird bei nicht oder nur kaum verringerter wahrgenommener Audioqualität eine starke Reduktion der Datenmenge möglich.“ Weiter heißt es auf Wikipedia:
    „Die Fraunhofer-Gesellschaft hat […] sich einige Verfahren zur MP3-Kodierung patentieren lassen. In einem Zusammenschluss mit Thomson besitzen beide Unternehmen 18 MP3-bezogene Patente. Seit September 1998 […] verlangt FhG/Thomson Lizenzgebühren für die Herstellung von Hard- und Software, die das MP3-Format verwenden.
    Wikipedia (30.05.2014)

  • H.264 (Das ist die derzeit meistgenutzte Technik, Videos zu komprimieren. Ohne solche Komprimierungen wären eure Videos bei FullHD-Format maximal 1 Minute lang, weil die Datei dann schon mehrere Gigabyte groß wäre.)

    Viele der Verfahren, welche in H.264 zur Anwendung kommen, sind durch Patente geschützt. Wie schon bei MPEG-2 wird auch bei MPEG-4 von den Herstellern und Dienstanbietern, die diesen Standard einsetzen wollen, eine Gebühr verlangt.“
    Wikipedia (30.05.2014)

Das sind jetzt nur 2 Beispiele, die aber wohl recht deutlich machen, wofür jede_r von uns mitbezahlt beim Kauf. Ein MP3-Player der keine MP3s abspielen kann wäre eben nur Player, den wir aufgrund der vielen MP3s die wir besitzen, ziemlich nutzlos wäre.

Unsere Digitalkamera, die auch Videos aufnehmen kann, wäre ohne H.264-Kompression nur für winzige Videos zu gebrauchen (oder wir müssten riesige Speicherkarten haben).

Youtube und andere Videodienste setzen ebenfalls (teilweise) auf H.264, sonst müssten wir 3 Tage laden für das witzige Katzenvideo von 10 Sekunden.

Letztens saß ich in einem Seminar wo ein Film von einer DVD nicht abgespielt wurde, da die DVD keine Deutsche Version war. Der auf der DVD benutzte Kopierschutz mit der zugehörigen Ländereinstellung verhinderte so das Abspielen – und den Filmgenuss gleich mit.

Auch für so eine ärgerliche Tatsache bezahlen wir jedes Mal mit.

Kurz:
In all unseren Technischen Geräten und Möglichkeiten steckt eine ganze Kette von Interessen und Kosten, die für uns als Kunden nicht erkennbar sind. Trotzdem machen sie einen beträchtlichen Teil der Kosten für unsere Geräte aus.

Dein nächster „der Gerät“ könnte gut ¼ billiger sein. ;)

Noch ein kleiner Tipp:

Probiert mal für Audiodateien das OGG Dateiformat aus (hier Wiki, hier Webseite). Ist freie Software, kostet keine Patentkosten, klingt bei niedrigen Bitraten besser als MP3 und macht ganz nebenbei bei gleicher Bitrate kleinere Dateien als MP3.

OGG ist als Audioformat inzwischen recht verbreitet. So nutzen z.B. das Internet Archive (Archive.org) und Deutschlandradio das Format zum Streaming bzw. für angebotene Audiodateien. Firefox, Chrome und Opera können das Format ohne jedes Plugin direkt im Browser abspielen, daher ist es eine prima Alternative zu auf Webseiten eingebetteten Playern, die Adobes Flash o.Ä. benötigen.

Viele Tragbare Audioplayer können auch OOGs abspielen, genau so wie viele Software-Player.

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