13.04.14 – U-Boot Bunker „Valentin“

Während meiner Schulzeit in der Oberstufe hatten wir einen sehr engagierten Geschichtslehrer der uns anbot, das Theaterstück „Die letzten Tage der Menschheit“ anzusehen. Das anscheinende Anti-Kriegs-Theaterstück sollte damals im bremer Norden gelegenen U-Boot Bunker „Valentin“ aufgeführt werden, dem größten Bunker der jemals in Europa gebaut werden sollte. Leider konnte ich damals nicht mit zu dem Theaterstück, weil es nur wenige Karten für die Aufführung gab. Ich habe danach jedoch trotzdem noch eine Führung mitgemacht, weil ich den Bunker und seine Geschichte und auch seine Einbettung in die damalige NS-Herrschaft und Struktur in Bremen sehr interessant fand. Jetzt, einige Jahre später, hatte ich wieder die Gelegenheit den Bunker mit einer kleinen Gruppe und geführt von einem fachkundigen Herren der Bundeszentrale für politische Bildung zu besichtigen.

Der Bunker sollte ursprünglich quasi eine Werft für U-Bote werden, da die Alliierten zu Baubeginn des Bunkers im Jahre 1943(!) bereits ausgiebig Infrastruktur und Produktionsstätten zerbombten. Um wenigstens die Hoheit zu Wasser mit gefürchteten U-Boot-Angriffen zurückzuerlangen begann man mit dem Bau des Bunkers „Valentin“. Dieser war eingebettet in weiter militärische Strukturen im äußeren bremer Norden, wie ein Aussenlager für die tausenden Zwangsarbeiter und großflächige Lagerstätten für Treibstoff, die sowohl Ober- als auch Unterirdisch gebaut wurden. Der gesamte Zusammenschluss dieser Infrastruktur beträgt in seinen Ausmaßen mehrere Kilometer und sollte ursprüglich ein noch sehr viel größeres Gebiet umfassen, was aber aufgrund der Kriegslage abgebrochen wurde.
Im Bunker selbst wurde kein einziges U-Boot mehr gefertigt, da der Krieg schon verloren war, ehe der Bau wirklich abgeschlossen werden konnte. Trotzdem verloren auf der Baustelle, auf der Tags und Nachts unter künstlichem Licht gebaut wurde (eine aussergewöhnliche Begebenheit, die die damalige Dringlichkeit dieses Bauvorhabens wohl verdeutlicht)  unzählige Arbeiter ihr Leben.

Nach dem Krieg wurde der Bunker von den damaligen Besatzungsmächten genuzt um Bombentests durchzuführen, wovon noch einige sehr große Krater in der hinteren Halle zeugen. Als es sich abzeichnete, dass niemand wusste was aus dem Bunker werden sollte, da sich niemand fand um ihn für Lagerung oder ähnliches zu nutzen, zog man eine Sprengung in Betracht. Allerdings wurde dieses Vorhaben aufgegeben. Zum einen wohl wegen der enormen Dicke der Mauern (teilweise 9 Meter), zum anderen aus jahrelangen Debatten über die Zukunft des Bunkergebäudes. So wurde der Bunker denn auch zunächst dem Verfall preisgegeben, bevor sich die Bundeswehr dazu entschloss, den vorderen Teil des Bunkers als Lagergebäude zu verwenden, was bis etwa 2010 der Fall war.

Derzeit steht zur Diskussion, inwieweit der Bunker als zukünftige Gedenkstätte ausgebaut und benutzt werden kann, es gibt jedoch Bauarbeitung für einen Rundweg um den Bunker herum und eben seit Jahren schon Gruppenführungen, als auch Einzelführungen nach Anmeldung, die ich sehr empfehlen kann. Ein wirklich beeindruckender und durch seine Geschichte bedrückender Bau, der einen interessanten Einblick in die Geschichte Bremens während der Nazizeit gewährt.

Weitere Informationen rund um den Bunker findet ihr bei der offiziellen Webseite des Denkorts Bunker Valentin, sowie bei Wikipedia.

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Dies ist der vordere Teil der Halle, die mit einer Trennwand zum hinteren Teil versehen wurde. Allein diese Halle ist geschätzte 100 Meter lang.

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Dies ist der hintere Teil der Halle, die inzwischen leider nicht mehr zugänglich ist. Bei meiner ersten Führung konnten wir sie noch betreten. Auch das erwähnte Theaterstück hat glaube ich hier stattgefunden. Rechts und nicht mehr im Bild ist der andere Teil der Halle, wo einige riesige Bombenkrater in der Decke zu sehen sind. Das Loch ganz hinten links in der Wand auf diesem Bild, durch das das Licht einfällt, ist der Zugang zur damals geplanten Anlieferungsstrecke der Bauteile für die U-Boote.

Insgesamt ist der Bunker knapp über 400 Meter lang und gut 30 Meter hoch.

 

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Ein Kommentar

  1. RPL
    2014-05-11
    Antworten

    Riesig und klotzig, ein Besuch auf jeden Fall wert! Obacht, Fledermäuse und Eulen kreuchen und fleuchen^^

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