„Can’t read shit!“ – Heute ist Document Freedom Day!

Durch Zufall bin ich gerade wieder auf dem heutigen Document Freedom Day gestoßen. Ein Tag über den ich immer nur durch Zufall erfahre, wenn er dann gerade aktuell ist  oder war (niemals: sein wird!). Das ärgert mich. Und zweitens ärgert mich noch viel mehr, dass auch ich davon unmittelbar immer wieder betroffen bin. Ihr auch.

Der Document Freedom Day findet jedes Jahr am letzten Mittwoch im März statt (Quelle: Wikipedia. Haha, hier darf ich so etwas endlich schreiben!).

<begin TLDR>

Heute soll also ein Tag sein, an dem wir uns mal alle ins Bewusstsein rufen, dass wir uralte Dateien, die wir auf unseren Lochkarten nicht mehr in unseren PC einlesen können. Traurig aber wahr – und für die meisten leider belanglos. Wer benutzt denn noch Lochkarten?
Ok, neuer Versuch.
Heute wollen wir uns mal dran erinnern, dass wir damals mit Office Drölf etwas geschrieben haben, was wir voll gerne mal wieder öffnen würden. Ja und? Geht doch mit Office3000 auch!?

Ja, Aber:

Wer nicht von Office Drölf auf Office3000 umgestiegen ist, der kann die ganzen *.doc3000-Dateien leider nicht einlesen.
Ja und? Musst man halt ein neues Office3000 kaufen, wo ist das Problem?

Richtig! Die Probleme sind:

    1. Muss
    2. Kaufen

Meine freie Entscheidung, welches Office-Paket ich benutzen möchte, wird durch solche, wohlgemerkt vom Hersteller gemachten Inkompatibilitäten, dahingehend eingeschränkt, als dass ich auf dieses eine nur kommerziell vertriebene Produkt angewiesen bin. Andere Hersteller von Office-Software können aufgrund des „Betriebsgeheimnisses“ um das Dateiformat nicht nachvollziehen, wie dieses funktioniert und daher auch nur sehr schwer wenigstens eine annähernd funktionale Import-Export-Möglichkeit programmieren.
Im Endeffekt bedeutet das, dass ich als einmaliger Benutzer des Office-Paketes von Hersteller XY, der ein solches eigenbrödlerisches Format entwickelt  hat und benutzt darauf angewiesen bin, auch in Zukunft wieder dieses Office-Paket zu kaufen, möchte ich denn meine alten Dateien auch weiterhin bearbeiten und einlesen.

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten meine Dateien zu speichern und kompatibel zu halten, z.B. als *.html, oder als bloßer Text (*.txt). Nachteil ist allerdings: html ist für Webseiten entwickelt und nicht für Bücher oder Briefe, daher gibt es bestimmte Möglichkeiten hier nicht. Textdateien speichern nur Text, d.h. sie besitzen keinerlei Formatierungen wie fetten Text, durchgestrichenen Text,… (mehr Beispiele könnt ihr euch jetzt überlegen).

Also: Kaufen wir ein Office-Paket, welches als Standardeinstellung seine Dokumente in einem eigenen, für andere nicht implementierbaren Format abspeichert, kommt es zu einem sog. „Lock-In“ (vgl. Wikipedia). Das bedeutet, letztlich legt man sich auf ein inkompatibles Produkt fest und ist damit in Zukunft beschränkt, was die Auswahl von alternativen Produkten angeht, da ein Wechsel des Produktes einen großen Mehraufwand bedeutet. Dieser Mehraufwand ist Kostspielig (allerdings meist nur einmalig) im finanziellen Sinne. Meiner Erfahrung nach ist der gewichtigere Grund aber die Faulheit, sich mit „einem anderen Programm“ auseinandersetzen zu müssen. Das ist natürlich voll richtig. Jedes Office ist so vollkommen unterschiedlich, dass einige mit 8 Armen bedient werden müssen, während „das normale Office“ auch mittels der seit der Steinzeit bewährten „Adler-Such-Technik“ bedient werden kann.

Was ist also heute zu tun?

Guckt euch mal die Preise für Microsoft Office Versionen (Idealo.de) an. Jetzt überlegt euch: Entweder kauft ihr alle paar Jahre eine neue Office-Version, weil die Dateiformate „aktueller“ und damit inkompatibel zu Vorgängerversionen sind oder ihr kauft alle paar Jahre einen neuen Rechner (natürlich mit vorinstalliertem Betriebssystem, auch hier gibts quasi keine Wahl) mit vorinstalliertem Office, das die „aktuellen“ Dateiformate nutzt.
Hinzu kommt, dass sich das Design verändert hat und ihr jetzt nicht mehr das vertraute Grau habt. Die Buttons sind auch anders angeordnet, wenn sie noch nicht durch viel intuitivere Kacheln abgelöst wurden.

Kurz: Ihr bezahlt viel Geld für etwas, was für höchstens 2-3 Jahre hält, all eure Gewohnheiten umkrempelt und auch noch inkompatible Dateien zu allen möglichen anderen Office-Paketen erstellt.

<end TLDR>

Jetzt könnt ihr euch noch einen oder zwei weitere Artikel auf der Homepage für den Document Freedom Day durchlesen, sofern ihr nicht genug habt.

UNDODER:

Macht heute mal was richtig verrücktes!
Ladet euch ein freies Office-Paket wie etwa LibreOffice herunter und speichert ab jetzt all eure Dateien statt als *.doc oder *.docx, als ein von der ISO anerkanntes und freies Standard-Dokumentenformat wie *.odt ab.

Und dann sagt ihr das auch noch anderen Leuten UND zeigt ihnen meinen hübschen Artikel.

Heftig Verrückt!  Alle durchdrehen jetze! BWwwwwwwaaaäähhhHH!

P.S.: Mircosoft Office gehört euch nicht mal, da ihr nur eine Lizenz erwerbt, die euch zur Nutzung berechtigt.
Es ist nicht „euer Office“. Es ist „ein Office was ihr nutzen dürft“.
LibreOffice hingegen steht unter der GPL-Lizenz einer sog. Copyleft-Lizenz, d.h. ihr besitzt jetzt eine Kopie der Software, mit der ihr alles anstellen könnt was ihr wollt. Ist eure. Für Lau.

2 Kommentare

  1. timo
    2014-03-26
    Antworten

    Die Sache ist, das den meisten erfolgreich eingeredet wurde, das man seinen „Papierkram“ nur mit bestimmten, kostenpflichtigen Programmen machen kann. Und noch problematischer ist, das ich öfter mitkriege, wie Open-Source Produkte als unprofessionell abgestempelt werden. In meiner Firma versuche ich immer wieder mal Libre-Office einzuführen, was auf heftigen Widerstand seitens der Chef-Etage stößt. Das einzige Argument was seit JAHREN kommt: kostet nichts? Dann taugt es auch nichts. Das kranke ist ja auch, das lieber kostenpflichtige Software gekauft wird von Firmen, weil die ja steuerlich abgesetzt werden kann, so unterstützt der Staat proprietäre Software indirekt. Ständig gibt es Probleme mit Lizenzen, egal wo ich hinschaue, aber bloß keine Lizenzfreien Sachen etablieren, das taugt nichts…

  2. timo
    2014-03-26
    Antworten

    Die Sache ist, das den meisten erfolgreich eingeredet wurde, das man seinen „Papierkram“ nur mit bestimmten, kostenpflichtigen Programmen machen kann. Und noch problematischer ist, das ich öfter mitkriege, wie Open-Source Produkte als unprofessionell abgestempelt werden. In meiner Firma versuche ich immer wieder mal Libre-Office einzuführen, was auf heftigen Widerstand seitens der Chef-Etage stößt. Das einzige Argument was seit JAHREN kommt: kostet nichts? Dann taugt es auch nichts. Das kranke ist ja auch, das lieber kostenpflichtige Software gekauft wird von Firmen, weil die ja steuerlich abgesetzt werden kann, so unterstützt der Staat proprietäre Software indirekt. Ständig gibt es Probleme mit Lizenzen, egal wo ich hinschaue, aber bloß keine Lizenzfreien Sachen etablieren, das taugt nichts…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.